Rennbericht 2003 / 03 Most
Jagdszenen in Tschechien
Im Fahrerlager macht Hans-Jürgen Malsbenden einen ganz manierlichen Eindruck. Doch in seiner offenen Chevrolet Corvette Sting Ray verwandelt sich der ruhige Rheinländer zum Quertreiber ersten Ranges. „Ab der dritten Runde geht alles nur noch quer“, schildert der Führende in der FIA-GTC’65.
Im Stil eines Ski-Slalomläufers wedelte Malsbenden über die Piste im Autodrom Most beim Duhova Energie GT Classic Grand Prix, dem Ort des dritten FIA-Meisterschaftslauf für GT-Fahrzeuge bis Baujahr 1965. Die Lotus Elan-Fahrer hinter ihm trieb der fröhlich schlingernde Ami-Sportler die Verzweiflung ins Gesicht. „Was der (Malsbenden) anstellt, ist völlig verrückt“, erzählt Titelverteidiger Bo Warmenius (S) aus der verbalen Onboard-Perspektive. „Ich bin zwar schneller und könnte ihn in der Fahrerlagerkurve überholen“ (Schwedische Kunstpause) „Aber wenn ich das versuche, habe ich am Ende keinen Elan mehr“.
Vrooom und die Terrier
Spätestens dort blickte Malsbenden mit Sorgenfalten in den Rückspiegel: „Du fühlst Dich, als hetzten Terrier hinter Dir her“. Nach der langgezogenen Rechtskurve folgte das Leib-und-Magen-Stück der Corvette im Autodrom: die 500 Meter lange Gerade. Vrooom, Vrooom, Vrooom: weg war die Corvette. Die Elans folgten hechelnd mit ihren kurzen Beinen.
In beiden 30 Minuten-Heats waren Bo Warmenius und Peter Kroeber (D) dicht hinter der stahlblauen Corvette her. Doch Kroeber verabschiedete sich zunächst mit einem Dreher und dann mit zwei schleichenden Plattfüßen, ärgerlicherweise wegen falsch montierter Reifen. „Es ist aber ganz lustig hier in Most“, erzählte der ehemalige Deutsche Formel Ford-Meister. „Mehrfach wechseln die Streckenbeläge, zum Teil sogar in einer Kurve von haftend in nicht-haftend“.
Voßhenrich schnellster Periode E-Pilot
Terrier-Kollege Bo Warmenius hetzte Malsbenden zwar etwas länger, rollte dann aber im Schleichtempo über die Strecke und parkte den Meisterwagen des Vorjahres drei Runden vor dem Abwinken im tschechischen Grün. „Mein Drehzahlbegrenzer hat den Geist aufgegeben“, sagte Warmenius und schickte hinterher, dass er ihn nur als Schutz vor Verschaltern vom ersten in den zweiten Gang nach dem Start braucht. „Den werden wir fürs zweiten Rennen lahmlegen, dann geht’s wieder“.
So erbte Claus Damgaard (DK) die Zähler für den ersten Platz in der Klasse vor seinem Lindberg/Witchcraft-Teamkollegen Hendrik Lindberg (DK). Hinter Guy Francois (B) eilte Udo Voßhenrich (D) durchs Ziel. In seinem Lotus Elite sicherte sich der Lotus-Fahrer als Fünfter im Gesamtklassement den ersten Platz in der Wertung für die Periode E (bis 1961) vor Mercedes-Benz-300-SL-Spezialist Hans Kleissl (D). Der Chef von HK Engineering trieb den offenen Mercedes mit viel Einsatz um den Kurs und verlor das Prestigeduell mit knapp einer Sekunde. Das alles war aber nur die Generalprobe für ein grandioses zweites Rennen am Sonntag.
420 PS für ein Hallelujah
Hans-Jürgen Malsbenden nutzte nach dem Start die 420 Pferde starke Herde seines US-Sportlers zum Sprint weg vom Feld. Dahinter folgte die Elan-Armada mit fröhlich wechselnden Positionskämpfen der Herren Warmenius, Kroeber und dem aufschließenden Claus Damgaard.
Kroeber verlor als erster die Nerven und tauchte vor der Fahrerlager-Kurve ab ins Kiesbett. Er kam zwar zurück ins Rennen, hatte aber mit dem Ausgang nichts mehr zu tun.
Malsbenden verteidigte wie im ersten Rennen seine Führung vom Start bis ins Ziel. Dahinter versuchte Warmenius Damgaard auf Distanz zu halten. Dann passierte es: Bo Warmenius lief auf die Corvette auf und musste die Notbremse ziehen. Damgaard konnte nicht mehr ausweichen und schubste den Titelverteidiger aus Schweden von der Bahn.
Fairness gewinnt
So wollte aber Damgaard nicht den Klassensieg abstauben. „Ich habe gewartet, bis Bo wieder zu mir aufgeschlossen hatte“, berichtete der Däne. Warmenius zeigte sich überrascht: „Ich weiß nicht, ob ich an seiner Stelle genauso gehandelt hätte“. In jedem Fall hat Claus Damgaard mit seiner Aktion in Zeichen für Fairness gesetzt und ist der Mann des Rennwochenendes in Most.
So dauerte der Zweikampf um den Erfolg in der Klasse bis 1,6 Liter bis in die letzte Runde. Da schob sich Claus Damgaard vor der schnellen Schikane nach der langen Gerade an Warmenius vorbei und gewann die Klasse als Zweiter im Gesamtklassement. Hinter Lindberg und Kroeber kämpften Guy Francois und Dr. Richard Bateman beherzt um den fünften Platz. „Francois hatte technische Probleme und ich überholte ihn“, berichtete Bateman. „Doch plötzlich wurde er wieder schneller und ich konnte ihn nicht mehr halten“.
Udo Voßhenrich war wie schon im ersten Rennen schnellster Fahrer in der Periode E. Hans Kleissl lieferte sich über die gesamte Distanz einen spannenden Zweikampf mit Theo van Bree im Alpine A110, einem der kleinsten Autos im FIA-GTC’65-Feld. „Auf der Geraden spielen die großen Autos ihre größere Leistung so stark aus, dass man das mit einem kleinen Auto in den kurvigen Passagen nicht mehr wettmachen kann“.






















