Rennbericht 2003 / 04 Zolder
Zolder, 18-20 Juni 2004
Endlich mal wieder an der Rennstrecke – wenn auch nur als Gast! Das Auto ist schon lange parat, der Fahrer leider noch nicht. Nach einigen Wochen USA immer noch stark „jetlagged“, war es aber trotzdem schön, allen mal wieder zuzusehen.
Das Rennen der FIA-GTC-TC’76 vom Samstag musste leider auf nasser Strecke stattfinden. So blieben zum wiederholten Mal die beiden dänischen „Panteras“ in der Garage. Die zu den Regenreifen passenden Felgen sind immer noch nicht aufzutreiben.
Von der Nässe und seiner richtigen Reifenwahl profitierte Wolfgang Schachinger (BMW Coupe) und rettete sich auf abtrocknendem Asphalt knappe acht Sekunden vor Peter Mücke (Ford Capri RS) ins Ziel. Weitere zwanzig Sekunden dahinter wurde Dr. Helmut Stein (Ford Escort RS) Dritter.
Ebenfalls am Samstag war auch der erste Lauf der FIA-GTC’65. Hier dominierte Stefano Rosina mit seinem Elva (GTP) das Feld. Es gelang ihm, dieses, nun orangefarbene skurrile Gefährt, 26 Sekunden vor Bo Warmenius und dessen Lotus Elan ins Ziel zu bringen. Allen Tice, ca. 2,5 Sekunden hinter Warmenius, wurde Dritter und schnellster der vier vorhandenen Marcos. Den engsten Zieleinlauf hatten der Marcos von Richard Styles auf Platz 6 und der Griffith von Jamie Boot auf Platz 7: die beiden trennten etwa 1,5 Zehntel Sekunden! Hervorzuheben in diesem Rennen auch noch Armin Zumtobels Porsche 911, der immerhin gute 4 Sekunden pro Runde schneller als der nächste Markenkollege war sowie der Pechvogel des Tages Peter Kroeber dessen Elan schon in der ersten Runde wegen eines Elektrikdefekts stand. Damit konnte Bo Warmenius schon am Anfang des Rennens sicher sein, vom stärksten Widersacher nicht angegriffen zu werden. Im Training trennten die beiden gerade mal 5 Hundertstel zu Gunsten des Schweden. Bei den „Kleinen“ behielt diesmal Michel Lombard die Nase seiner Alpine vorne, allerdings nur einen Hauch vor der Alpine von Theo van Bree, Plätze 17 und 18.
Aber das zweite Rennen am Sonntag ließ schließlich noch genügend Revanchemöglichkeiten zu. Natürlich mussten Kroeber und der ebenfalls am Samstag mit seiner Corvette an der Mauer gestrandete Jürgen Malsbenden aus der letzten Reihe starten! Das verschaffte den Herren Warmenius und Menden etwas Luft vor ihren unmittelbaren Konkurrenten. Dass Stefano Rosinas Elva das Feld wieder anführte sei nur am Rande erwähnt, daran änderte sich auch bis ins Ziel nichts. Dahinter jedoch entwickelte sich eines der spannendsten Rennen überhaupt. Kroeber und Malsbenden schossen erwartungsgemäß durchs Feld und man leistete ihnen auch nur geringen Widerstand. Aber irgendwo gibt es ja immer eine unüberwindliche Barriere, die im einen Fall die Menden–Corvette und im anderen Fall der Tice–Marcos war. Obwohl Kroeber und Malsbenden zum Teil mit schnelleren Rundenzeiten als die Spitze unterwegs waren – sie kamen einfach nicht vorbei! Irgendwann meldeten auch die „Dunlops“ ihre Ansprüche auf Abkühlung an und besonders Jürgen Malsbenden wurde von der Haftungslosigkeit seiner Corvette überzeugt, als er in der letzten Runde versuchte an Bo’s Elan vorbeizugehen. An Kroebers Elan sind wohl auf die Dauer auch die schmalen Reifen den breiteren Reifen der Konkurrenz unterlegen. Hinter Stefano Rosina, im guten 13-Sekunden-Abstand, fuhr Bo Warmenius sein Rennen dauerhaft auf Platz 2. Er schien auch die ihn verfolgende Menden–Corvette kontrollieren zu können. Michael Menden hatte allerdings auch wenig Chancen, sich nach vorne zu orientieren. Dafür musste er seinen Platz 3 viel zu oft gegen den attackierenden Malsbenden verteidigen, allerdings vergeblich. Fünfter Allen Tice vor Peter Kroeber, gegen Rennende doch mit einem Abstand von gut 13 Sekunden. Siebter Styles, Marcos vor Francois und Lindberg, jeweils Lotus Elan.
Mindestens ein Name fehlt da vorne! Wo steckte Claus Damgaard, normalerweise immer gut für einen Platz unter den Ersten? Nachdem er das ganze Wochenende unter seiner Motorhaube gesteckt hatte und einen Motor nach dem anderen wechselte, verließen in Runde 13 auch den letzten Motor die Kräfte! Was für ein Wochenende für den armen Dänen! Ähnlich arm muss sich Armin Zumtobel gefühlt haben. Bis Runde 7 fuhr er bequem vor der Nase von Henrik Lindberg’s Elan umher, nochmals eine Sekunde pro Runde schneller als am Vortag, als ihn ein Reifenschaden ausgerechnet in der schnellen Eingangskurve der Gegengeraden erwischte und er knirschend in den Kies musste. Zehnter dann der erste 911er von Lambert Parren, dem - genau wie im Rennen am Vortag - Ralf Oehmes 911er im Abstand von 3,5 Zehnteln an der Stossstange klebte. Oehme war zwar in seiner besten Runde schneller als Parren, aber dran ist eben noch nicht vorbei!
Dies kann man getrost auch als Überleitung zum FIA-TC’65-Rennen benutzen. Auch dort ging es teilweise so eng und spannend zu, dass man sich manchmal fragen muss, warum man sich überhaupt noch moderne Rennen anschaut.
Das Training war Sache der Herren Gustavsson und deren Cortina. Ganz eindeutig über einer Sekunde schneller als der Zweite, R. Gropper, Mustang. Dritter D.K. Antons Alfa Romeo GTA, leider der einzige GTA im Feld. Dahinter die übliche bunte Reihe der Ford Motor Company – ein Falcon, Mustangs und Cortinas, 13 an der Zahl. Die Plätze 9, 10 und 12 belegten dann aber doch inmitten all dieser Fords drei Minis. Am Ende der Zeitenliste die vier Alfa Romeo Giuliettas des Scuderia del Portello Teams, viele Jahre aus dem historischen Tourenwagensport bekannt.
Sonntagmittag – High Noon! Start zum Rennen. Der österreichische GTA übernimmt kurzerhand die Führung, verfolgt von der schwedischen Cortina und dem englischen Falcon. Und aus den Tiefen des Feldes stürmt eine Cortina mit eingeschalteten Scheinwerfern nach vorne: Warmenius/Turebrand! Denen hatte irgendetwas das Training vermiest....Startplatz 16. Runde um Runde kam Warmenius weiter nach vorn. Ganz vorne wehrte sich der Alfa nach Kräften, musste allerdings nach einigen Runden die Gustavsson-Cortina vorbeilassen. Damit nicht genug, tauchte das oben genannte Scheinwerferpaar in seinen Spiegeln auf. Auch dem Druck von Warmenius musste sich Anton beugen. So ging es bis zum Boxenstop, den alle drei erst in allerletzter Minute absolvierten. Turebrand hielt die von Warmenius erkämpfte Spitze, Anton etwa 200 Meter dahinter. Gustavssons hatten eine Runde später gestoppt und schoben sich wieder genau zwischen die beiden anderen. Anton forderte seinem GTA alles ab, hatte das Glück, das Gustavsson 2 etwas schwächer als Gustavsson 1 war und bremste sich am Ende der Start/Ziel-Geraden an der Cortina vorbei. Natürlich hätte er sich auch gerne noch an Herrn Turebrand herangemacht, die deutlich hörbar geschädigte Differentialsperre des Alfa vereitelte dies aber leider.
Mit etwas mehr als sieben Sekunden Rückstand wurde er glücklicher Zweiter. Gut dreizehn Sekunden mehr Zeit genehmigten sich die Gustavssons, um als Dritte ins Ziel zu kommen. Der oben schon genannte Falcon von Bacon/Voyazidis wurde Vierter, Mr. Kerry und Mr. Sanders brachten ihre Cortina als Fünfte ins Ziel. Nur diese ersten fünf schafften 30 Runden in der Rennstunde, alle anderen waren mindestens einmal überrundet worden. Eigentlich müsste man über jeden Teilnehmer etwas schreiben und ein jeder hätte es verdient, dass seine Leistung entsprechend kommentiert wird. Leider ist das aber nicht in jedem Fall möglich. Einer, oder besser zwei Fahrer, waren allerdings so überragend, dass es eine Schande wäre, nicht über sie zu berichten : das, was Allen Tice und David Methley mit dem Mini angestellt haben, war einfach unglaublich! In jeder Runde auf der gleichen Linie, in jeder Runde annähernd die gleiche Zeit, kurvenausgangs immer mit der gleichen Drehzahl, fuhren sich die beiden auf Platz 7 vor und hatten sage und schreibe 40 Sekunden Vorsprung vor dem Achten. Gratulation!
Gratulation auch von dieser Stelle an alle drei FIA-Rennserien. Äußerst spannende Rennen aber sehr entspannte Stimmung unter den Teilnehmern, das zeichnet die Wochenenden aus. Was Ronny in der vergangenen Saison begonnen hat, trägt jetzt tatsächlich die ersten Früchte: die Fahrer bilden mittlerweile eine Gemeinschaft ! Wer sich erinnern mag – das war in der EM nicht immer so.
Bis bald in Luxemburg – dann wird auch der gelbe Elan mit dem grünen Streifen wieder dabei sein, soweit dies die Fitness des Fahrers zulässt.
VEIT AVEMARG
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